"Music is the brandy of the damned." (G.B.Shaw)

Dokumentation über The Pirate Bay

Simon Klose, ein schwedischer Filmemacher, werkt gerade an seiner Dokumentaion „TPB AFK“ über den erfolgreichsten Bittorrent-Tracker aller Zeiten: „The Pirate Bay“. Die Finanzierung von 50.000 $ konnte er unter anderem über das Fanfunding-Service „Kickstarter“ aufstellen, einen weiteren Teil bekam er vom schwedischen Kulturministerium zur Verfügung gestellt: “If TPB AFK can shed some light on how an open Internet can benefit artists, maybe the current Swedish government’s schizophrenic Internet policy can change too. On one hand they praise internet activists that help spread democracy in the Middle East, on the other they actively oppose the same activists building an open Internet in Sweden.”

Klose ist den Machern von The Pirate Bay während ihres Gerichtsverfahrens mit der IFPI im Jahr 2009 mit der Kamera gefolgt und hat die 3 auch während der Zeit begleitet, als sie nicht gerade vor den Geschworenen standen. Man darf gespannt sein!

[Artikel: Pirate Bay documentary gets government funding in Sweden | musically.com]


Musikpiraten wie du und ich

Ich kann mich noch an einen Workshop erinnern, der vor 7 oder 8 Jahren im mica stattgefunden hat. Thematisch ging es ums Internet und neue Geschäftsmodelle für Bands und Labels, illegale Downloads, DRM, etc… – irgendwas in dieser Art, genau kann ich mich nicht mehr entsinnen. Auf jeden Fall hatte auch Franz Medwenitsch, Geschäftsführer der IFPI Austria, einen Part, bei dem es – wie kann es anders gewesen sein – auch um illegales Filesharing ging. Irgendwann während seines Vortrags fragte er in die verblüffte Runde, wer denn schon mal Musik aus dem Netz gesaugt hat, ohne dafür zu bezahlen. Natürlich zeigten 90% der Anwesenden auf. An die Reaktion Medwenitsch’s kann ich mich nicht mehr genau erinnern, erfreut war er aber über die Offenheit seiner Zuhörer augenscheinlich nicht. Ja, dass hatte schon was, so von Angesicht zu Angesicht: Dort der Vertreter der bösen Musikindustrie, auf der anderen Seite die Musikpiraten, die für den Niedergang eines ganzen Industriezweiges verantwortlich gemacht wurden. War ein sonderbares, aber irgendwie gutes Gefühl, ein Pirat zu sein oder wie es die „andere Seite“ nannte, ein Raupkopierer. Dabei war es mir – und ich denke auch meinen Auditoriumskollegen – schon bewusst, dass wir da anscheinend etwas tun, was so Manche aus unterschiedliche Gründen nicht gut hiessen, dennoch habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, „meine Bands“, damit meine ich diejenigen, deren absolut treuester Fan ich bin, bescheisse, betrüge oder ihnen gar etwas stehle. Immer wenn ich Soulseek (oder andere Filesharing-Clients) anwarf, tat ich das nur aus einem Grund: nach Musik zu suchen, von der ich irgendwo gelesen hatte oder von der ich irgendwo gehört hatte bzw. mir empfohlen wurde.

Nie im Leben hätte ich den Melvins ein Album, einen Song stehlen wollen. Jedesmal wenn „King Buzzo“ einen neuen Geniestreich getätig hatte und ich mich diesem Erguß hingeben wollte, nutzte ich diese Möglichkeit (natürlich war das auch so bei anderen Musiken). Danach ging ich zum Plattenladen meines Vertrauens und kaufte mir das Ding. Oder ich lud mir Musik von Künstlern auf meinen Rechner, deren Musik ich nicht kannte, ich aber hören wollte, sobald ich einen Artikel in einem Musikmagazin darüber fertig gelesen hatte – ja, die Neugier. Natürlich gab es auch desöfteren den Fall, wo mir etwas nicht gefiel, dann kaufte ich es natürlich auch offline nicht.

Ich nutzte Filesharing also immer als mein persönliches Discoverytool, um neue Musiken zu entdecken oder etwas Neues meiner alten Helden (ha!) gleich mal vorzuhören, sobald ein neuer Release veröffentlicht wurde, bei uns aber noch nicht erhätlich war. Etliche Konzerte unbekannter Acts hätte ich ohne Filesharing nie gesehen oder hätte meinen Freunden nie davon erzählen können bzw. es ihnen empfehlen können. Es ging mir nie ums Anhäufen von MP3s, geschweige denn war ich nie geil darauf, so viel Musik wie möglich zu besitzen, um dann die Krone für den „Filesharer-king“ aufgesetzt zu bekommen.

Im Gegenteil: die Suche im Netz war immer zielgerichtet, ich wusste, was ich wollte und ich war stets davon überzeugt, dass ich als Musikfan quasi dazu „verpflichtet“ bin, alles an guter Musik „aufzusaugen“, was gerade so umher schwirrt – „spread the word“, wie es immer schon so schön hiess. Heute ist es genau das Gleiche, nur brauche ich keine P2P-Netzwerke mehr, sondern ich nutze Last.fm, Soundcloud oder eine der dutzend anderen Plattformen, um neue Musik zu entdecken, zu kaufen oder weiterzuempfehlen.

Und die Musikindustrie? Sie sollte eigentlich jedem einzelnen Filesharer dankbar sein, denn sie zeigen den Big Four (oder bald nur mehr den Big Three) seit rund 10 Jahren (und das gratis!), wo ihre Probleme liegen (zB meine Beweggründe aktiver Raubkopierer zu werden) und liefern ihnen gleichzeitig mit ihren „Diebstählen“ etliche Lösungansätze (Musik schwebt in einer Wolke oder werde/müsse überall frei nutzbar wie Wasser sein postulierte der Prophet Gerd Leonhard 2006), um aus der Predouille zu kommen. Etwas andere Ansätze, wie zB Kampagnen „Ideen sind etwas wert“ oder die 2009 lancierte Offensive „Mehr drin. Mehr dran. Mehr drauf. Musik auf CD“ dürften ja nicht wirklich gefruchtet haben, zumindestens hätte ich keinerlei „Erfolgsgeschichten“ darüber gehört, also Zahlen, Daten, Fakten.

Vielleicht lag es ja daran, dass es dabei nicht darum ging, diese neuen Ansätze aufzugreifen, sondern lediglich Schadensbegrenzung betrieben wurde. Mich würde interessieren, an welche Zielgruppe diese CD-Kampagne adressiert war, denn wie will man einem 14-jährigen Menschen, der laut meiner Rechnung 1997 geboren wurde, 2008 oder so herum sein erstes Handy bekam und seit dieser Zeit wie ein Wilder streamt/downloadet – wie will man ihm/ihr erklären, dass ein im vorigen Jahrhundert erfundenes Medium, besser ist, als das, was er/sie jetzt so zahlreich vorfindet – wo er/sie doch Musik jederzeit und jederorts hören kann. Und der ästhetische Beiwert? – pfuh! Das hat mich in meiner Adoleszenz auch nicht interessiert, ich wollte die ärgste, aggresivste Mucke hören, die es damals gab. Was da auf der CD drauf oder drin stand, war mir herzlich egal. Hauptsächlich anders. Und über so eine Aktion, Menschen, die zu einer völlig anderen Zeit mit völlig anderen Formaten sozialisert wurden, an ein Medium binden zu wollen bzw. sie dahin zurück zu führen, ist irgendwie komisch.

Aber ja, worauf ich eigentlich mit dieser langen Faselei hinauß wollte, wäre Folgendes: es gibt wieder Mal eine Studie über P2P-Filesharing. Es ist ja immer wieder eine Krux mit solchen Studien, denn meistens werden solche Publikationen von Industrieunternehmen beauftragt, die eine gewisse Stoßrichtung mit Zahlen, Daten, Fakten untermauert haben wollen. Das Ergebnis ist oft tendenziös. So scheint es auch bei dieser Studie zu sein, da NBC Universal die Studie beauftragt hat. Wie aber Nate Anderson bei Epiccenter schreibt, ist folgendes Ergebnis interessant: von 10.000 Files, die über PublicPT (der größte Bittorent-Client) geshared werden, entfallen schlappe 2,9% auf Inhalte, die der Kategorie Musik zuzuschreiben sind. 35,8% fallen auf Pornos, gleich dahinter kommen Movies mit 35,2%. Insgesamt 85,5% der 10.000 Files, hatten Videos jeglicher Art (Filme, Serien, etc…) zum Inhalt. Interessant, wenn das so stimmt, denn das deckt sich ungefähr mit meinen persönlichen Erfahrungen, denn in meinem Freundeskreis kenne ich fast keine/n mehr, der Musik saugt, sondern es wird hauptsächlich filmisches Material downgeloadet. Anderson: „Pirates want movies more than music, and by a significant margin.“

[Artikel: Where Have All The Music Pirates Gone? | Wired/Epiccenter]


IFPI Austria gegen SPÖ Lindenmayr

Ah, interessant. Der Verein Quintessenz hat unlängst eine Veranstaltung zum Thema Filesharing und Benutzerverfolgung abgehalten. Also im Wesentlichen ging es darum, welche rechtliche Konsequenzen illegales Filesharing wirklich haben kann und mit welchen Mitteln die Musikindustrielobby gegen die vermeintlichen Rechtsbrecher vorgeht – also das Verhalten der User wird „gespeichert“ und dann flattert eine saftige Klage ins Haus. Jetzt war es so, dass auch SPÖ-Mensch Lindenmayr bei der Veranstaltung zugegen war und sich gefragt hat, ob die Musikindustrie nicht doch ein bisschen „mittelalterlich“ reagiert. Dies hat sich die IFPI Austria nicht gefallen lassen und hat prompt mit einer Aussendung darauf reagiert, in der sie Lindenmayr als „Lobbyist für illegales Filesharing“ bezeichnet, so der Standard. Mehr zu dieser Auseinandersetzung, die ja – könnte sein – ein bisschen politisch motiviert ist (SPÖ-Lindenmayr gegen ÖVPnahen oder eh ÖVPler und IFPI Austria Chef Medwenitsch) gibt es im Standard zu lesen.

[Artikel: SPÖ – Filesharing ist weder Verbrechen noch Raub | derstandard.at]

[Artikel: IFPI Austria – Wir sind keine Ritter, sondern Retter | derstandard.at]

[Link: Verein Quintessenz]


Wird Apple bald ein Subscription-Service launchen?

Bei Apple ist wieder was im Busch, glaubt man den Berichten von Mediabiz. Leos Ottolenghi, Chef von Intent Media Works, hat verkündet, dass Apple in den nächsten sechs Monaten ein „music subscription service“, also ein Abo-Modell ähnlich wie bei emusic.com launchen könnte. Dieses Gerücht wurde Ottolenghi bei einem Meeting mit Apple-Menschen gesteckt. ListeningPost geht deshalb wieder davon aus, dass das neue Abo-Modell vielleicht basierend auf P2P-Technologie entwickelt werden könnte, weil eben Intent Media Works eine Content-Distribution Firma ist, die mit P2P-Technologie arbeitet. Der einzige Pferdefuß dabei ist aber, dass Apple einen neuen iPod herausbringen müsste, da ein Subsrciption-Service mit den derzeitigen Hardware Komponenten nicht funktionieren würde. Hingegen würde iPhone, dassja nicht nur Handy, sondern auch ein Musikplayer ist, diese Eigenschaften mit sich bringen. Andere Stimmen meinen wieder, dass Steve Jobs eher ein Miet/Abo-System mit Apple-TV (ähnlich wie Netflix) auf den Markt bringen könnte und kein „music subsrciption service“ launchen wird. Darüber, wie ein Apple-Abosystem aussehen könnte, wird wahrscheinlich in den nächsten Wochen noch mehr diskutiert werden, denn ob es Sinn macht, ein Abo-System der Marke Rhapsody oder Napster zu entwicklen, ist eher zweifelhaft, denke ich mir.

[Artikel: Apple changes its iTune? | via mediabiz]

[Artikel: Apple Could Launch Subscription Service for the iPhone | via listeningpost]


David gegen Goliath oder LimeWire gegen Musikindustrie…

LimeWire bleibt im Rechtsstreit mit der RIAA standhaft, verlautbart die futurezone. Bis jetzt konnte die RIAA LimeWire nicht nachweisen, dass Urheberrechtsverletzungen bewusst in Kauf genommen werden.  Die ganzen Rechtsstreitigkeiten konnten aber LimeWire bis jetzt nicht viel anhaben. Das Marktforschungsunternehmen NPD Group kommt zum Schluss, dass 62% der Downloads in P2P-Netzwerken über LimeWire läuft. Auf rund 18,3% der Computer weltweit ist LimeWire installiert, sagt die Digital Music Research Group. Ob LimeWire irgendwann das gleiche Schicksal wie eDonkey oder Grokster erleidet, wird sich mit den nächsten Gerichtsverfahren zeigen, die da anstehen.

[Artikel: LimeWire trotzt Klagen der Musikindustrie | via futurezone]


Diskussion über Urheberrecht und Raubkopie…

Vor ein paar Tagen entdeckte ich beim – sehr empfehlenswerten – freien Stadtsender Wien, Okto.Tv, eine Sendung, die mich kurzerhand auf die dazugehörige Website führte. „Einwand“, so der Titel des Formats, widmete sich dem Thema „Urheberrecht und Raubkopie“. Mit dabei waren Thomas Böhm von der Ifpi Österreich, Florian Husky von der Piratenpartei Österreich, Ferdinand Morawetz vom Verein für Antipiraterie und ein paar mehr Menschen. Die Diskussion verlief nicht sonderlich spannend – bis auf ein paar emotionale Verrenkungen einiger Diskutanten. Wie das halt meistens so ist, wenn Lobbyisten aufeinander treffen, noch dazu, wenn es um das Thema Filesharing geht, wo man schon vorher weiss, dass hinterher nix dabei rauskommt. Trotzdem anschauen…

Sendung Einwand: 1. Teil der Diskussion „Urheberrecht und Raubkopie“

Sendung Einwand: 2. Teil der Diskussion „Urheberrecht und Raubkopie“




P2P-Nutzung steigt weiter an…

Laut Big Champagne wächst die P2P-Nutzung weiter an. Was heisst das in Zahlen? Durchschnittlich loggen sich 9,3 Millionen Leute pro Tag in P2P-Netzwerke ein. Im Jahr 2004 waren es noch ca. 7 Millionen tagtäglich. Schätzungen zufolge werden pro Monat eine Milliarde Songs im Netz getauscht und kopiert.

[Artikel: P2P Use Continues To Rise | via hypebot]